Reisetagebuch Georgien 2019

Das Trusotal

Voller Vorfreude starten wir heute in den Tag. Es ist der 9. September 2019 und ab morgen bleibt uns noch eine Woche um die vielfältigen Eindrücke dieses wunderschönen Landes einzufangen. Wie schon gestern, steht das Trusotal auf dem Programm.

Gestern wurde uns das Vitamin-Café zum Frühstücken empfohlen. Das wollen wir mal ausprobieren und stapfen bepackt und mit grummelndem Magen den Berg hinunter zur Hauptverkehrsstraße. Die Atmosphäre ist gut. Es läuft Jazz und das Frühstück kommt sehr schnell. Es gibt mit Pudding und Aprikose gefüllte Crèpes, dazu einen Café und ein Omlett (oder wie auch immer man im deutschen diese leckere Eierspeise nennt).

Das deutsche Pärchen, das wir gestern in Juta getroffen haben und das uns dieses Café empfohlen hat, betritt den Raum mit Koffern. Sie reisen heute ab. Wir unterhalten uns über georgische Reiseziele, aber auch über bisher gemachte Reisen. Sie erzählt von ihrer mehrwöchigen Reise mit der transsibirischen Eisenbahn. Wir sind angefixt und hören gespannt zu, das steht nämlich auch noch auf unserer Löffelliste.

Die ältere Dame am Nachbartisch versteht uns offenbar, aber sagt kein Wort. Auch sie lauscht offensichtlich den Erzählungen und unserer Unterhaltung. Drei deutsche Mädels kommen auf uns zu, fragen uns nach Sehenswürdigkeiten und Tipps. Wir kommen ins Gespräch, erzählen ihnen vom Trusotal und bieten ihnen an sich mit uns ein Taxi zu teilen. Letzten Endes werden wir uns ein Taxi mit ihnen teilen und verabreden uns für 11:45 Uhr. Auch das deutsche Pärchen packt die Sachen mit dem Ziel Tbilissi.

Auf dem Weg zum Treffpunkt packen wir noch das obligatorische Lobianibrot ein, nehmen etwas zu trinken mit und verhandeln schließlich einen Fahrpreis für das Taxi. Die Mädels sind echt gut darin, 80 Lari soll uns die Fahrt kosten. Zu fünft ein guter Preis.

Die Fahrt hinunter ins Tal gestaltet sich unterhaltsam. Wir lernen uns ein wenig kennen, quatschen hauptsächlich über unsere Jobs. Im Tal angekommen haben wir den Eindruck, dass der Fahrer es doch nicht gewohnt ist, hier mit dem Auto durchzufahren. Es ist ruckelig. Viele Steine, keine befestigten Wege. Wir bleiben mehrfach mit dem Unterboden an Steinen hängen. Ein unangenehmes Geräusch. Es regnet, aber es ist nicht ganz so kühl wie die letzten Tage.

Als wir aussteigen wollen, entscheidet sich eine vom Dreiertrüppchen doch dazu sich wieder zurückfahren zu lassen. Es wird noch flott umgepackt, dann geht's aber auch schon los. Leider nieselt es sich genau jetzt ein.

Blick zurück. Da kommen wir her

Der Zugang zum Trusotal wirkt erstmal unspektakulär. Es geht eine ganz flache Steigung entlang des Flusses immer wieder durch den Matsch. Autos fahren ab und zu vorbei - allesamt SUV's - und aus dem einen oder anderen Auto wird fleißig herausfotografiert. Wir haben uns für die ungemütlichere Variante entschieden, sind aber kein bisschen traurig darum. Was die Bekleidung angeht, sind wir sehr gut ausgerüstet. Wasserdichte Wanderschuhe, Regenjacken. Lediglich die Wanderhosen lassen die Feuchtigkeit durch. Aber im Wind trocknen sie in Nullkommanichts. Den Mädels geht's leider ein wenig anders, aber sie nehmen es tapfer hin.

Schritt für Schritt wird die Landschaft schöner. Der Fluss liegt von hier aus gesehen immer weiter in der Tiefe. Das Schiefergebirge bildet interessante Formen. Geröllhaufen wirken wie von Menschen aufgestapelt. Ab und zu weht der Geruch von Schwefel um die Nase.

Erster Blick auf's Tal

Die Wolken hängen tief und ab und zu kommt es uns sogar vor als würde der Regen weniger werden. Auch dank der Gespräche fühlt sich die Dreiviertelstunde ins Tal sehr kurzweilig an.

Dem Tal immer näher kommend, erwartet uns eine fast schon magische Stimmung. Das schlechte Wetter versprüht mit der Landschaft einen Hauch Island-Feelings, oder Schottland. Irgendwas Grünes, Melancholisches. Wir haben mittlerweile das Flussniveau erreicht. Sein Rauschen übertönt nun die auf die Kapuze einprasselnden Regenropfen. Die Hänge sind nur auf einer Seite des Tals karg bewachsen mit Bäumen. Sonst dominiert ganz klar gelb-grünes Gras.

Die paar sichtbaren Autos stören das verträumte Bild ein bisschen, verlieren sich aber recht schnell in der weiten Landschaft. Wir gehen über eine Brücke, legen eine kurze Umräum- und Toilettenpause auf dem Campingplatz ein. Über einige Dutzend Stufen aus Autoreifen geht es nun steil bergauf. Ein wenig außer Atem stapfen wir weiter entlang eines Trampelpfades bis zu einer Quelle.

Die Quelle ist mineralreich, das Wasser in einem kräftigen milchigen hellblau. Der Wasserlauf, der von der kleinen Wasserstelle wegführt, ist hingegen rostrot. Ein wunderschöner Kontrast. Das mineralreiche Wasser scheint ein Grund dafür zu sein, dass sich überall in der Landschaft interessante Farbtupfer finden lassen. Es blubbert aus der Wasserstelle, es riecht stark nach Schwefel. Und es steht ein Schild daneben, das auf die Trinkbarkeit des Wassers hinweist. Wir lassen das mal trotzdem lieber.

Dem Regen trotzend und uns angeregt unterhaltend waten wir durch die nun schwerer begehbare Landschaft. Es sieht zwar aus wie eine riesige Wiese, überall liegen jedoch große Felsbrocken, die den Tritt teilweise unsicher werden lassen.

Das Kloster, noch knapp anderthalb Kilometer entfernt.

Wir gelangen zu einer Brücke, die eher provisorisch als für die Ewigkeit gebaut ist. Der Blick zum noch einige Kilometer entfernten Kloster lässt uns kurz stehenbleiben. Die ausgedehntere Tour würde genau bis dahin führen, aber wegen des Regens geben wir uns mit der kürzeren zufrieden. Auf der anderen Seite der Brücke ist ein Dorf, das verlassen wirkt. Hier sind die Farben zurückhaltend und kontrastarm, nur die tief hängenden Wolken zeichnen sich von der Landschaft ab und fügen dem ganzen ein wenig Drama hinzu. Verfall, wohin das Auge blickt. Wie gehen an einigen Schafen und Kühen vorbei, werden von einem (zum Glück angeleinten) Wachhund deutlich darauf hingewiesen, dass er hier das Sagen hat. Die Kühe tummeln sich am Bach. Wir kehren um, wollen durch die verlassen wirkende Stadt.

Eine einzige Hütte wirkt bewohnt. Der Gedanke uns an einem warmen Tee wieder fit für den Rückweg zu machen spornt uns an, den Garten zu betreten. Tatsächlich verkauft hier ein Greis Getränke und Speisen an Wanderer. Der Tee tut gut, mittlerweile hat es auch aufgehört zu regnen.

Ein weißer Geländewagen rollt an. Der Fahrer unterhält sich mit unserem Gastgeber. Wie sich herausstellt, hat er russischstämmige Niederländer an Bord. Unsere kurze Unterhaltung mit ihnen klappt erstaunlich gut. Ein weiterer Mann hat sich eingefunden. Er hat Chacha im Angebot und bietet uns etwas an. Ich willige fast ohne Bedenken ein. Bislang tatsächlich der beste Chacha auf der Reise - angenehm mild und leicht süßlich. Er möchte nicht, dass wir für den Chacha zahlen. Hier hat wieder die georgische Gastfreundschaft zugeschlagen.

Wir haben von den fünf geplanten Wanderstunden noch knapp anderthalb zur Verfügung. Jetzt müssen wir ein wenig Gas geben. Ab und zu nieselt es ein wenig, sonst ist der Rückweg ganz angenehm. Wir kommen an zwei festgefahrenen Autos vorbei. Der eine ein Kleinwagen, der andere ein bunt beklebter, bulliger Geländewagen mit plattem Reifen, der hier ein wenig die Landschaft verwüsten wollte. Darauf deutet zumindest die Kruste aus Matsch am Auto und das mit Reifenspuren durchsetzte Schlammfeld hin.

Der Rückweg kommt uns etwas länger vor. Wir sind stiller geworden und mit uns selbst und dem Gehen beschäftigt. Pünktlich wie die Maurer erscheinen wir dann am Auto. Der Ausflug hat sich gelohnt. Das Wetter ist vergessen, das gute Gefühl setzt ein.

Nachdem unser Fahrer dann auch auf dem Rückweg fluchend ein paar mal das Auto hat aufsetzen lassen, verkrümeln wir uns in die Unterkunft. Aufwärmen geht nur durch Duschen. Den Abend lang unterhalten wir uns dann mit unseren netten neuen Nachbarn, zu denen wir gezogen sind.

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Der Regen peitscht uns in die Sonne Kaukasische Höhen und Tiefen